Artikel über Eltern und Kinder

Einige Artikel von mir, die seit 2002 veröffentlicht wurden - schreiben Sie mir Ihre Meinung dazu.


Jetzt sind die Eltern gefordert!

Aufruhr in Deutschland! Die PISA-Studie hat an den Tag gebracht was bereits alle wussten - Eltern, Erzieher, Lehrer - nur unsere Politiker nicht: In Deutschland herrscht Bildungsnotstand! Hektisch wird über Ursachen und Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Vergleiche mit anderen Ländern werden angestellt und Konzepte aus dem Boden gestampft, die jeder ernsthaften wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Bringen mehr Ganztagsschulen die Lösung oder Fremdsprachenunterricht schon im Kindergarten? Oder sind doch die Eltern schuld an allem, weil sie die Verantwortung für die Erziehung der Kinder immer häufiger auf andere abwälzen?

Ich denke, so einfach kann man es sich nicht machen. Sicherlich, die Grundlagen für Erziehung und Bildung werden im Elternhaus gelegt. Schule und Kindergarten können nur auf dem aufbauen, was vorhanden ist. Doch wer sagt den Eltern was Erziehung bedeutet, was für Kinder wichtig ist und wie Kinder gefördert werden sollen? Weder gibt es in der Schule ein Unterrichtsfach, in dem junge Menschen auf ihre eventuelle spätere Elternrolle vorbereitet werden, noch gibt es Elternseminare, die ein grundlegendes und umfassendes Wissen über den Umgang mit Kindern vermitteln.

Dabei ist eigentlich alles ganz einfach. Wir brauchen keine großartigen neuen Programme entwickeln, wenn wir auf das zurückgreifen, was sich seit Jahrzehnten in „gut funktionierenden“ Familien bewährt hat. Gut funktionierend bedeutet nicht, dass es keine Konflikte gibt, dass Eltern immer alles richtig machen oder dass Kinder nie Schwierigkeiten haben. Für mich bedeutet es, dass Eltern ihre Kinder ernst nehmen, wahrnehmen wo sie Unterstützung brauchen und Zeit für sie haben. Dabei kommt es nicht auf die Menge der Zeit an, sondern wie sie genutzt wird. Weniger ist oft mehr.

Doch wie sieht der Alltag in unserer hektischen und sich ständig verändernden Gesellschaft oft aus? Die Eltern sind gestresst von dem Druck, dem sie auf ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Sie holen ihr Kind vom Kindergarten ab, müssen noch schnell einkaufen gehen und sind schon genervt, wenn das Kind quengelt oder sich nicht beeilt. Die Bedürfnisse des Kindes werden nicht ernst genommen oder mit Süßigkeiten „ruhig gestellt“. Zu Hause geht es dann weiter. Erst einmal wird der Fernsehapparat eingeschaltet, um „abzuschalten“. „Jetzt nicht, geh in dein Zimmer spielen,“ heißt es dann vielleicht, wenn das Kind reden möchte. Am Abendbrottisch, beim gemeinsamen Essen, könnte man die versäumten Gespräche nachholen - doch in vielen Familien wird nicht mehr gemeinsam gegessen, und so fällt auch diese Form der Kommunikation weg. Schlimmstenfalls hat das Kind schon mit 5 oder 6 Jahren einen eigenen Fernsehapparat, vor dem es dann irgendwann einschläft oder mit Kampf und Geschrei ins Bett gebracht wird. Eine Horrorvision? Leider nein, sondern zunehmend Alltag überforderter Eltern.

Und wie könnte es aussehen? Vater oder Mutter holen ihr Kind vom Kindergarten ab. Sie versuchen abzuschalten und ganz für ihr Kind da zu sein. Jetzt ist ihr Kind wichtig! Schließlich haben sie es 8 oder 9 Stunden nicht gesehen. Für Kinder eine sehr lange Zeit. Da ist es verständlich, dass es einige Zeit dauert, bis das Kind sich vom Kindergartenalltag losgelöst hat. Die Eltern gewähren ihm diese Zeit, melden aber auch ihre eigenen Bedürfnisse freundlich aber bestimmt an. Sie bestehen darauf, dass ihr Kind sich jetzt anzieht, ohne endlose Diskussionen. Diskussionen rauben beiden Energie, Eltern und Kindern. Das Einkaufen wird dann zum gemeinsamen Vergnügen. Das Kind darf die ausgesuchten Waren aus dem Regal nehmen und ist dabei beschäftigt. Nebenbei lernt es, dass man nicht auf Regale klettert, nicht alles anfasst und kein Wagenrennen im Geschäft veranstaltet. Wenn es dann zum Abschluss ein Eis oder eine Süßigkeit gibt, ist das o.k.

Zu Hause wird gemeinsam das Abendbrot gerichtet. Wenn das Kind helfen möchte, Möhren zu schälen oder eine Gurke zu schneiden, trainiert es dabei seine Geschicklichkeit. Wenn es den Tisch deckt, muss es nachfragen wie viele Teller es braucht. Es lernt dabei nicht nur zählen, sondern auch mathematische Grundbegriffe in den Alltag umzusetzen. Bei den gemeinsamen Aktionen haben Eltern und Kinder Zeit miteinander zu reden. Vielleicht gab es Streit im Kindergarten und das Kind ist bedrückt. Vater oder Mutter tun gut daran, nicht penetrant nachzubohren und Ratschläge parat zu haben. Es ist viel hilfreicher für das Kind, wenn es von sich aus erzählen kann und gemeinsam mit den Eltern vielleicht selbst Lösungsmöglichkeiten findet. Reden können ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg im späteren Leben, egal ob in der Schule, im Beruf oder in der Partnerschaft. Doch reden lernt man nur durch reden und nicht vor dem Fernsehapparat oder durch Computerspiele. Letzteres lässt sich heute nicht mehr aus dem Alltag weg streichen, und wenn es in Maßen und dem Alter des Kindes angepasst geschieht, ist das auch in Ordnung. Doch Eltern dürfen die Vorbildfunktion, die sie haben, nicht unterschätzen. Sie können noch so oft sagen, zuviel Fernsehen sei ungesund - wenn sie selbst stundenlang unreflektiert davor sitzen, wird sich das reale Bild viel mehr einprägen als ihre Worte.

Und wie sieht es mit dem „Schlafengehen“ aus? Auch hier brauchen Kinder Sicherheit und Rituale. Das Schlafbedürfnis der Kinder ist unterschiedlich. Gemeinsam mit ihrem Kind müssen Sie herausfinden, wann die beste Zeit zum Schlafengehen ist, ob es lieber eine Geschichte hört oder sich mit Ihnen unterhalten möchte. Auch hierbei wird die Fantasie angeregt und die Kommunikationsfähigkeit trainiert. Und nur ausgeschlafene Kinder können konzentriert lernen.

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Alltag von Eltern und Kindern, so wie es sein könnte, und sei es auch nur in Ansätzen. Gemeinsam mit Ihrem Kind zu leben und den Alltag zu gestalten, bietet viel mehr Lernchancen als ausgetüftelte Lernprogramme. Auch sollten sich Eltern gut überlegen, was es ihrem Kind bringt, wenn es heute zum Sport, morgen zum Ballett und übermorgen zum Musikunterricht geht. „Was macht dem Kind Spaß und hat es noch genügend Zeit zum Spielen? “ wäre hier die entscheidende Frage.

Jedes Kind hat ein Recht auf bestmögliche Entwicklungschancen, aber jedes Kind hat auch ein Recht auf seine eigene Entwicklungsgeschichte, denn die ist bei jedem Kind unterschiedlich. Erziehung bedeutet Arbeit und ist ein ständiger Lernprozess zwischen Eltern und Kindern. Werden Sie sensibel dafür, was Ihr Kind braucht, und helfen Sie mit, den Bildungsnotstand abzubauen.