Artikel über Eltern und Kinder

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Die Zukunft hat bereits begonnen –
welchen Wert haben Kinder in unserer Gesellschaft?

Schon Jesus wurde ärgerlich, als seine Jünger die Kinder wegschicken wollten. Er sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Reich Gottes!“ Dann nahm er die Kinder in die Arme und segnete sie.

Was Jesus getan hat, war damals keine Selbstverständlichkeit, denn im Altertum zählten Kinder nicht viel. Ob ein Kind krank war oder starb, interessierte nicht – nur die Stärksten überlebten. Noch gegen Ende des Mittelalters war es üblich, Neugeborene zu ertränken, wenn man glaubte, nicht genug Nahrung für alle zu haben. Eine grausame Einstellung? Ist es grausamer als das, was wir heute unseren Kindern antun?

Zwar muss heute in Deutschland kein Kind mehr hungern und wenn es krank ist, wird es ärztlich versorgt. Doch wie steht es mit dem Hunger der Kinder nach Geborgenheit und Anerkennung, nach Unterstützung und Orientierung? Sind wir in der Lage, diesen Hunger wirklich zu stillen? Machen wir unsere Kinder stark genug für ein gutes Leben in der Zukunft?

Veränderungen, Umbrüche, Krisen gab es schon immer und wird es immer geben. Das Problem des 21. Jahrhunderts ist, dass sich immer schneller alles ändert. Unser Wissen verdoppelt sich in wenigen Jahren. Wir müssen also unser ganzes Leben lang dazu und immer wieder neu lernen, wenn wir den Anschluss nicht verpassen wollen. Und wir müssen Aufgaben immer effektiver bewältigen und Probleme immer schneller lösen. Dafür brauchen wir fähige Menschen: Querdenker, die nicht resignieren, sondern nach Lösungen suchen, Menschen, die mutig und bereit sind an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken!

Das, was wir heute tun oder lassen, beeinflusst unsere Zukunft. Nikolaus Enkelmann, der große Rhetorik- und Erfolgstrainer, bringt es auf den Punkt: „Heute ist morgen schon gestern“, sagt er so treffend. Wenn wir unseren Kindern keine gute Bildung zukommen lassen, wird unsere Zukunft traurig aussehen. Aber was bedeutet Bildung? Vielfach wird sie gleichgesetzt mit der Vermittlung von Wissen. Noch früher, noch schneller, noch mehr lernen. Doch was nützt es uns, wenn wir viel wissen, dieses Wissen aber nicht anwenden können?

Zur Bildung gehört sehr viel mehr als reines Wissen. Wichtig ist, welches Bild ich mir von der Welt mache, wie ich die Welt wahrnehme, welche Erfahrungen ich sammle. Das heißt, Bildung beginnt mit der Geburt oder sogar schon früher. Bildung bedeutet auch Charakterbildung und die Ausbildung vorhandener Fähigkeiten. Das Umfeld beeinflusst und prägt die Menschen. Eltern leben ihren Kindern, bewusst oder unbewusst, bestimmte Verhaltensweisen vor und vermitteln ihnen Werte. Diese Bilder nehmen Kinder auf und speichern sie in ihrem Unterbewusstsein. Deshalb ist das Vorbild der Eltern so wichtig.

Doch auch Kindergärten, Schulen, die Kirchen, alle sind am Bildungsprozess beteiligt. Jeder muss sich fragen: Gebe ich Kindern Raum und Zeit für eigenständiges Lernen? Unterstütze ich Kinder in ihrem selbständigen Handeln, traue ich ihnen etwas zu, vertraue ich ihnen? Und haben Kinder heute noch die Möglichkeiten, stabile Beziehungen aufzubauen? Denn je jünger Kinder sind, umso mehr brauchen sie Menschen, die ihnen Sicherheit geben. Man lernt nur von den Menschen, die man liebt!

Was können wir tun, um den Hunger — den Bildungshunger — unserer Kinder umfassend zu stillen? Reicht es aus, dass wir 1973 eine Bildungsreform hatten, die viel bewegt, aber nicht alle Fehler korrigiert hat? Unsere europäischen Nachbarn haben inzwischen die Nase vorn. Sie haben begriffen, dass Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren am lernfähigsten sind. Sie nutzen dieses Potential und bauen darauf auf. In den meisten europäischen Ländern ist die Erzieherausbildung der Lehrerausbildung gleichgestellt und basiert auf einem Hochschul- oder Fachhochschulstudium. Wer in der Schweiz die Kleinsten unterrichten will, muss besonders gute Noten aufweisen. Frühe Investitionen auf diesem Gebiet sparen später hohe „Reparaturkosten“. Das gilt sowohl für die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder, als auch für die Erhaltung ihrer Lernfreude.

Im Interesse unserer Kinder ist es notwendig, dass Bildung zur „Chefsache“ erklärt wird. Wir alle sind verantwortlich für die Zukunft, in der wir einmal leben werden. Eltern, Erzieher, Lehrer, Gewerkschaften, Wirtschaft, Politik und Kirche, alle müssen an einem Strang ziehen, damit sich endlich etwas bewegt. Denn die Reformen, die heute greifen, werden erst in etwa zwei Jahrzehnten Früchte tragen. Lasst uns nicht weiter zögern, sondern handeln – jeder in seinem Bereich für den er Verantwortung trägt.